Tourismusverein Rostock & Warnemünde e.V.

Aktuell

Tourismusverein Rostock & Warnemünde lehnt geplantes Hotelbaufeld am Hamburger Tor ab

30.04.2026

Positionierung des Tourismusvereins Rostock & Warnemünde e. V.

Der Tourismusverein Rostock & Warnemünde e. V. spricht sich mit Blick auf die Beschlussvorlage 2026/BV/1469 zur Bebauung der Fläche Hamburger Tor gegen die dort vorgesehene Hotelnutzung aus. Die in der Vorzugsvariante angelegte Mischung aus Wohnungsbau, Schwimmhalle und gewerblichen Nutzungen wird ausdrücklich begrüßt. Die zusätzlich angedachten Baufelder für Hotel- und Dienstleistungsnutzungen sind aus Sicht des Vereins jedoch weder marktgerecht noch standortstrategisch sinnvoll – und sollten zugunsten weiterer Wohnungen aus der Planung gestrichen werden.

Der Rostocker Beherbergungsmarkt steht bereits heute unter erheblichem Wettbewerbsdruck. Mehrere Hotelprojekte sind in der Planung, weitere bereits genehmigt. Eine zusätzliche Kapazitätsausweitung würde den wirtschaftlichen Druck weiter erhöhen und bestehende Strukturen schwächen. Wie angespannt die Lage ist, zeigt sich bereits in unmittelbarer Nachbarschaft des geplanten Standorts: In rund 500 Metern Luftlinie zum Hamburger Tor betreibt das Hotel & Gästehaus Rostock in der Warnowallee bereits 204 Zimmer im Budget-Segment. In der Trelleborger Straße ist zugleich ein weiteres Hotelprojekt mit 90 Zimmern bereits geplant und soll bis Ende 2027 fertiggestellt werden. Allein in diesem überschaubaren Umkreis im Stadtteil Lütten Klein entstehen damit knapp 300 Hotelzimmer im selben Marktsegment.

Nach Einschätzung des Vereins ist auch am Standort Hamburger Tor vor allem die Ansiedlung eines standardisierten Budgethotels realistisch. Höherwertige Konzepte werden sich an dieser Stelle voraussichtlich nicht dauerhaft wirtschaftlich tragen. Genau dieses Segment ist in Rostock jedoch bereits mehrfach vertreten, weitere Projekte sind in Vorbereitung. Eine zusätzliche Ansiedlung würde den Wettbewerb weiter verschärfen und voraussichtlich zu sinkenden Durchschnittsraten sowie steigendem Auslastungsdruck führen. Die Folge wäre nicht nur eine geringere Wirtschaftlichkeit neuer Vorhaben, sondern auch eine schleichende Entwertung bestehender Betriebe und Investitionen, die seit Jahren am Standort Rostock arbeiten und Steuern zahlen.

Im Ergebnis droht eine Verdrängung innerhalb des Marktes, ohne dass zusätzliche touristische Nachfrage in nennenswertem Umfang entsteht. Hinzu kommt: Konzepte dieser Art schaffen vergleichsweise wenige Arbeitsplätze und tragen nur in begrenztem Umfang zur lokalen Wertschöpfung bei. Der gesamtstädtische Nutzen einer weiteren Hotelansiedlung am Hamburger Tor erscheint dem Tourismusverein daher gering.

Die in der Beschlussvorlage darüber hinaus angeführten Nutzungen wie Gastronomie und Dienstleistungen lassen sich am Standort problemlos auch ohne ein eigenständiges Hotelbaufeld realisieren. Moderne Mixed-Use-Quartiere mit Wohn- und Gewerbeflächen integrieren Gastronomie und kleinteilige Dienstleistungsangebote in den Erdgeschosszonen längst standardmäßig – das ist erprobte Praxis und stärkt zugleich die Lebendigkeit eines Wohnquartiers. Auch die geplante Schwimmhalle bietet typischerweise Raum für Bistros, Cafés oder ergänzende Dienstleistungen. Ein Hotel ist als Träger gastronomischer Angebote an diesem Standort weder erforderlich noch besonders geeignet.

Auch das gelegentlich vorgebrachte Argument, der IGA-Park und die HanseMesse benötigten unmittelbar angrenzende Übernachtungsmöglichkeiten, überzeugt aus Sicht des Vereins nicht. Der Standort Hamburger Tor ist über den ÖPNV und das Straßennetz hervorragend mit der Rostocker Innenstadt und Warnemünde verbunden. Veranstaltungs- und Messegäste werden bereits heute zuverlässig in den bestehenden Hotels in der Innenstadt, am Stadthafen und in den Seebädern untergebracht – mit Anfahrtszeiten, die für eine Hansestadt dieser Größe selbstverständlich sind.

Hinzu kommt, dass die Rostocker Hotelkapazitäten in den kommenden Jahren noch einmal deutlich ausgebaut werden. Neben dem bereits erwähnten Projekt in der Trelleborger Straße entsteht im neuen Quartier Kesselborn in Bahnhofsnähe bis 2028 ein 4-Sterne-Designhotel der Marke TRIBE mit 157 Zimmern – mit hervorragender S-Bahn-Anbindung gerade auch zum IGA-Park und zur HanseMesse. Auf der Silohalbinsel am Stadthafen ist zudem ein weiteres Hotel der Marke Scanhhotel mit rund 195 Zimmern gerade eröffnet worden. Insgesamt kommen damit allein durch diese drei Vorhaben über 440 zusätzliche Hotelzimmer auf den Rostocker Markt. Die Versorgung von Veranstaltungs- und Geschäftsgästen ist und bleibt in Rostock gesichert – ohne dass es eines weiteren Hotels am Hamburger Tor bedarf. Weitere Projekte, wie am Glatten Aal oder auch am Werftdreieck sind bereits bestätigt.

Bemerkenswert ist zudem, dass am Standort Hamburger Tor bereits seit vielen Jahren eine Hotelbebauung planungsrechtlich vorgesehen war und über einen langen Zeitraum aktiv verfolgt wurde. Eine Realisierung ist trotz dieser Bemühungen nicht zustande gekommen. Auch das ist aus Sicht des Vereins ein deutliches Signal: Der Standort hat sich bereits in der Vergangenheit nicht für ein wirtschaftlich tragfähiges Hotelkonzept getragen. Die heutige Marktlage – mit deutlich gestiegenem Wettbewerbsdruck im Budget-Segment – macht eine erfolgreiche Realisierung nicht wahrscheinlicher, sondern unwahrscheinlicher.

Gleichzeitig hat Rostock einen erheblichen Bedarf an Wohnraum, insbesondere für Fachkräfte, Auszubildende und Studierende. Die Vorzugsvariante sieht am Hamburger Tor überschlägig 400 bis 450 Wohnungen vor – ein wichtiger Beitrag zur Entlastung des Rostocker Wohnungsmarktes. Die in der Beschlussvorlage benannten zusätzlichen Entwicklungsspielräume, die durch den Verzicht auf eine Eishalle entstehen, sollten aus Sicht des Vereins konsequent in diese Richtung weitergedacht werden: für mehr Wohnraum, für gemeinwohlorientierte Nutzungen und für die ausdrücklich begrüßten Investitionen in öffentliche Infrastruktur. Ein zusätzliches Hotelbaufeld an dieser Stelle würde diese Spielräume verengen, ohne der Stadt einen erkennbaren Mehrwert zu bringen.

Der Tourismusverein Rostock & Warnemünde e. V. bittet die Mitglieder der Bürgerschaft, die Mitglieder der zuständigen Fachausschüsse sowie die Ortsbeiräte der direkt betroffenen Stadtteile – insbesondere Lütten Klein und Evershagen – das in der Beschlussvorlage 2026/BV/1469 vorgesehene Hotelbaufeld kritisch zu prüfen und auf eine entsprechende Anpassung der Vorzugsvariante hinzuwirken. Mit Blick auf die kommenden Beratungen ab der Bürgerschaftssitzung am 13. Mai 2026 sollte das Ziel sein, die durch den Verzicht auf eine Eishalle gewonnenen Flächen für zusätzlichen Wohnraum und gemeinwohlorientierte Nutzungen zu sichern – und nicht für ein Hotelprojekt, das einem ohnehin angespannten Markt zusätzliche Kapazitäten hinzufügt.

Frank Martens, Vorsitzender des Tourismusvereins Rostock & Warnemünde e. V., erklärt hierzu: „Wir reden hier nicht über zusätzliche Nachfrage, sondern über Verdrängung in einem ohnehin angespannten Markt. Allein in 500 Metern Luftlinie zum Hamburger Tor stehen heute bereits über 200 Hotelzimmer im Budget-Segment, weitere 90 sind genehmigt. Hinzu kommen über 350 weitere Zimmer am Stadthafen und am Hauptbahnhof, die in den nächsten Jahren ans Netz gehen. Rostock braucht kein zusätzliches Hotel am Hamburger Tor – Rostock braucht Wohnraum. Die Vorzugsvariante mit Schwimmhalle und 400 bis 450 Wohnungen ist im Grundsatz richtig. Die Spielräume, die durch den Verzicht auf eine Eishalle entstehen, sollten konsequent für noch mehr Wohnraum genutzt werden – nicht für ein Hotel, das den Markt belastet, ohne der Stadt einen erkennbaren Nutzen zu bringen.“

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